11) Die Schwestern Strauss - Geschäft für Damenhüte, Töpferstraße 150 (heute Nr. 20, Restaurant Alt Hünfeld)

Im Haus Töpferstraße 150, neben Tannenbaum, lebten die drei ledigen Schwestern Sophie, Josephine (Fine) und Helene (Lene) Strauss. Sophie (*23.2.1870) starb im Juli 1937 und wurde auf dem nahen jüdischen Friedhof in Burghaun als letzte Hünfelderin jüdischer Konfession begraben.

Josephine (*11.12.1871), von Beruf Putzmacherin, und Helene (*19.7.1874) führten in der Töpferstraße ein Hutgeschäft, das im Zuge der Boykottierung in der NS-Zeit einging. Im März 1941 übersiedelten die beiden unverheirateten Frauen nach Frankfurt a. M. in die Eschersheimer Landstraße Nr. 20, zu einer vierten, in Frankfurt verheirateten Schwester. (siehe Juliana Brennicke geb. Strauss)

Von da wurden Helene und Josephine Strauss- am 1. September 1942 mit einem Transport von 1022 jüdischen Menschen nach Theresienstadt deportiert. Beide kamen sie dort infolge der menschenfeindlichen Bedingungen ums Leben. Helene starb bereits kurz nach ihrer Ankunft am 18. September, Josephine am 22. März 1944.


Hutladen Strauß rechts neben Tannenbaum
Hutladen Strauß rechts neben Tannenbaum
Neubau des früheren Hauses Strauss Töpferstraße 150 im Fachwerkstil. (Foto: E.Sternberg-Siebert)
Neubau des früheren Hauses Strauss Töpferstraße 150 im Fachwerkstil. (Foto: E.Sternberg-Siebert)
"Josephine Strauss Putz- und Modewaren" - In 2 Fenstern die drei Schwestern Strauss.
"Josephine Strauss Putz- und Modewaren" - In 2 Fenstern die drei Schwestern Strauss.

Rechte Spalte: Aus den Fenstern schauen die Strauss-Schwestern, oben links guckt vermutlich Karlheinz Brennicke heraus, Julianas Sohn, der seine Tanten ja oft besuchte. - Die historischen Fotos vom Haus Strauss sowie die Fotos in der Bildergalerie unten entstammen dem Privatbesitz von Frau Sibylle Staufenbiel geb. Brennicke, der Enkelin von Juliana,  der 4. und jüngsten in Frankfurt verheirateten Schwester.

 

 Juliana Brennicke geb. Strauss

Im Sommer 2019 besuchte Frau Sibylle Staufenbiel mit ihrem Mann Burghaun. Ich begleitete sie auf den jüdischen Friedhof, wo sie das Grab ihrer Großtante Sophie Strauss besuchen wollte, die 1937 als letzte jüdische Hünfelderin dort begraben wurde.

Ich erfuhr von ihr, dass tatsächlich in Frankfurt die jüngste der Schwestern Strauss, Juliana, lebte  -  Sibylles Großmutter. Bei ihrer Schwester Juliana und deren Familie fanden Josephine und Helene Strauss 1941 Zuflucht. Juliana hatte einen christlichen Mann namens Karl Brennicke geheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Karl-Heinz, der Vater von Frau Staufenbiel, sei als Junge oft in Hünfeld zu Besuch bei den Tanten gewesen. Er habe diese Tanten sehr geliebt und sie ihren einzigen Neffen Karlheinz.

Es sei eine Tragödie gewesen, als  man die Tanten 1942 deportierte, und die Angst sei groß gewesen, dass auch Juliana noch eines Tages "abgeholt" werden würde. Doch sie blieb verschont und überlebte in Frankfurt bei ihrem Mann und ihrem Sohn.

 

11) The Strauss siblings - Hat shop, Toepferstrasse 150 (nowadays #20, Restaurant Alt Hünfeld)

 

The three single sisters Sophie, Josephine (Fine), and Helen (Lene) Strauss lived at Toepferstrasse 150 next to the Tannenbaums. Sophie (*02.23.1870) died in July of 1937, and as the last Jewish person from Huenfeld was buried at the Burghaun Jewish cemetery.

Josephine (*12.11.1871), a milliner by trade, and Helen (*07.19.1874) moved to Frankfurt/ Main, Eschersheimer Landstrasse 20 in March of 1941. Apparently they moved in with another sister - the youngest sister Juliana (look ahead) -, who lived as a married woman in Frankfurt. From there Helene Strauss and Josephine Strauss were deported to Theresienstadt on 09.01.1942 with a transport of 1022 Jewish people. Both of them perished, Helene on September 18, 1942 and Josephine on March 22, 1944.