Die jüdischen Gemeinden im Altkreis Hünfeld

Langenschwarz


Alte Postkarte von Langenschwarz
Alte Postkarte von Langenschwarz

In Langenschwarz gab es mehr als drei Jahrhunderte lang jüdische Be­wohner. Die erste bisher bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1583. Und zwar wird der Jude Borach genannt, der einen Gulden Buße zahlen musste, weil er, als die „Juden zu Langenschwarz“ bei einer Beschneidung waren, „sein wehr über die andtern ausgezogen undt sie schlagen wollen.“ 1830 hatte der Ort mit 132 Personen in 28 Haus­halten die viertgrößte jüdische Ge­meinde im Altkreis Hünfeld - nach Mans­bach (211), Rhina (199) und Wehrda (141). Außer Vieh- Waren- und Fellhändlern gab es in diesem Zeitraum vier Weber, zwei Schuhmacher, einen Schneider, einen Lehrer.

Um 1842 erreichte die jüdische Gemeinde Langenschwarz mit "160 Seelen" ihren Höchststand. Im April 1854 war die Zahl der jüdischen Einwohner auf 123 abgesun­ken. Ihre Familiennamen waren:

Grünbaum, Weinberg, Simon, Gans, Breitenbach, Wittgenstein, Rothschild, Stern, Goldschmidt, Bacharach, Windmüller, Strauß, Wertheim, Greif, Stiebel, Stein, Schiff, Ehrenreich. - Vor dieser Zeit gab es noch die Familie Hecht, die 1847 nach Baltimore/USA ausgewandert war und dort eine erfolgreiche Kauf­mannsdynastie begründete.

Die jüdische Kaufmannsfamilie Hecht (Wikipedia)

 

Etwa ab 1864 setzte eine starke Abwanderung der jüdischen Familien ein, insbe­sondere nach Amerika, und so zählte die Gemeinde 1900 nur noch 27 Personen.

Nachdem die Synagogengemeinde 1902 aufgelöst worden war, zogen die meisten der letzten jüdischen Bewohner nach Schlitz. Die noch verbliebenen Gemeindemitglieder wurden nun der jüdischen Gemeinde in Wehrda zugeordnet. Die Verstorbenen begrub man früher auf dem Zentralfriedhof in Burghaun, 1832 legte die Gemeinde ihren eige­nen Begräbnisplatz an der Straße nach Rhina an. Die letzte Beerdigung war 1911. Da­nach lebten keine Juden mehr in Langenschwarz.

Gräber auf dem jüd. Friedhof in Langenschwarz, im Vordergrund diejenigen von David und Jette Simon
Gräber auf dem jüd. Friedhof in Langenschwarz, im Vordergrund diejenigen von David und Jette Simon

 

Seit 1798 hatte die jüdische Ge­meinde Langenschwarz ihre eige­ne Synagoge. Etwa ab 1839 be­stand auch eine selbstständige jü­dische Volksschule, die 1842 von 29 Kindern besucht wur­de. Lehrer Sußmann Windmüller, der aus Wolfhagen kam, leitete sie bis zur Schließung im Jahr 1887. Wind­müller starb 1889 in Langen­schwarz und wurde auf dem dorti­gen jüdischen Friedhof begraben. Auf seinem Grab­stein steht geschrie­ben, dass ".. sein Streben nach vorne war zur vollkom­menen göttlichen Lehre, die er den Kindern 50 Jahre lang lehrte...."

Zunächst vermietete die israelitische Gemeinde das Schulgebäude, bis auf einen Raum, der zur Erteilung des Religionsunterrichts für die drei noch anwesenden Schulkinder diente. 1900 wurde das Haus an den Meistbietenden verkauft und 1931 schließlich von dem Nachbesitzer abgerissen.

Im Zuge der sogenannten Reichskristallnacht wurde die Mauereinfriedung des jüdischen Friedhofes von gewalttätigen Nazis eingerissen. Von der ursprünglichen "schönen Sandsteinmauerumfassung", die ein Enkel des Lehrers Windmüller in einem Schreiben erwähnte, sind die beiden steinernen Türpfosten am Eingang noch erhalten. Der linke trägt eine hebräische, der rechte eine deutsche Inschrift. Sie lautet:

Und es kehrt zurück der Staub zur Erde wie er war, und der Geist kehrt zu­rück zu Gott, der ihn gegeben. Gewidm. von Herz Stern u. dessen Frau Jette 1846.

Eingang zum jüdischen Friedhof von Langenschwarz
Eingang zum jüdischen Friedhof von Langenschwarz